Kambi — Das Kreuz, die Klippe und der Sonnenuntergang
Kambi ist kaum ein Dorf. Eine Handvoll Häuser, eine Kirche, zwei Tavernen und ein Betonkreuz am Rand einer 300-Meter-Klippe über dem Ionischen Meer. Das ist alles. Keine Läden, keine Hotels, kein Strand, kein Nachtleben. Nur die Klippe, das Kreuz und was viele als den dramatischsten Sonnenuntergang ganz Griechenlands bezeichnen.
Sie könnten Recht haben.
Das Kreuz
Der Stavros (Kreuz) von Kambi ist ein großes Betongedenkkreuz am Klippenrand, errichtet zum Gedenken an Widerstandskämpfer und Zivilisten, die während und nach dem Zweiten Weltkrieg getötet wurden. Die Geschichte ist schmerzhaft: Während der deutschen und italienischen Besatzung und im darauffolgenden Bürgerkrieg wurden Menschen von diesen Klippen hinuntergeworfen.
Die Lage verstärkt die emotionale Wirkung. Am Fuß des Kreuzes blickt man über 300 Meter senkrechte Felswand zum Meer hinunter, mit nichts zwischen dir und dem Horizont als Luft und der Erdkrümmung. Bei klarem Wetter sieht man Kephalonia im Norden und das offene Ionische Meer bis Italien.
Die Klippen
Die Westküste von Zakynthos zwischen Porto Schiza und Kambi ist das dramatischste geologische Merkmal der Insel — eine durchgehende Kalksteinklippenwand, die senkrecht ins tiefblaue Wasser stürzt. Bei Kambi erreichen die Klippen ihre maximale Höhe: etwa 300 Meter freier Fall.
Es gibt keinen Zaun am Klippenrand. Das ist nicht Nachlässigkeit; das ist Griechenland. Sei vorsichtig.
Der Sonnenuntergang
Jeden Abend von Mai bis Oktober versammelt sich eine kleine Menge bei Kambi, um die Sonne ins Ionische Meer sinken zu sehen. Die zwei Klippenrand-Tavernen füllen ihre Terrassen, das Kreuz glüht orange im letzten Licht, und der Himmel macht, was er macht, wenn nichts zwischen dir und dem Westhorizont liegt.
Mindestens eine Stunde vor Sonnenuntergang ankommen, um einen Terrassentisch zu sichern. Keine Reservierungen möglich. Mezedes und Wein bestellen — das Essen ist einfache Tavernenküche, und die Aussicht macht den Rest.
Die Tavernen
Taverna Stavros (näher am Kreuz) hat die dramatischere Lage — die Terrasse liegt buchstäblich am Klippenrand, mit einer niedrigen Mauer zwischen dir und dem Abgrund. Der Schwindel ist real.
Cross Taverna (etwas weiter vom Rand) ist geringfügig weniger erschreckend und hat etwas besseres Essen. Beide servieren Standard-Tavernengerichte. Preise sind angesichts der Lage angemessen.
Anfahrt
Kambi liegt 25 km von Zakynthos-Stadt entfernt — etwa 40 Minuten über kurvige Bergstraßen durch Machairado und die westlichen Hügel. Kein Busverkehr. Die Straße ist gut gepflegt, aber streckenweise eng. Vorsichtig fahren, besonders bei der Rückfahrt im Dunkeln nach Sonnenuntergang.